Bewerbung um einen Listenplatz bei der Europa-Wahl

Die Welt ist aus den Fugen. Konturen eines vollends autoritären Neoliberalismus zeichnen sich ab. Eine gefährliche rechte Welle schwappt durch Europa und die Welt. Gleichzeitig dringt immer mehr Menschen ins Bewusstsein, dass die Existenz jeder Zivilisation durch kapitalistischen Klimawandel und imperialistische Kriegsgefahren auf dem Spiel steht. In dieser Situation brauchen wir eine Linke, die sich dem Rechtsruck mit aller Entschlossenheit entgegenstemmt und die die Kämpfe um Freiheit und soziale Gleichheit zu einem demokratischen, ökologischen und sozialistischen Emanzipationsprojekt neu zusammenführt.

Leider sind die linken Kräfte in Europa auf nationaler und europäischer Ebene vielfach schwach. Europäische Linke und GUE/NGL haben sich bisher nicht zu effektiven Instrumenten zur Stärkung von sozialen und gewerkschaftlichen Kämpfen und der Koordinierung grenzüberschreitender außerparlamentarischer Aktivitäten von Bewegungen und linken Parteien entwickelt. Diese Lücke spüren wir heute schmerzhaft, denn die extreme Rechte vernetzt sich weltweit immer stärker, auch im Europawahlkampf.

Ich möchte dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Unsere Arbeit im Europaparlament muss bewegungsorientierter und wahrnehmbarer werden. Dafür bringe ich langjährige, vielfältige Erfahrung in der solidarischen Verbindung von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und linken Parteien mit und bin in öffentlichkeitswirksamen Aktionen erprobt. In den letzten Jahren lag mein Schwerpunkt – neben dem Aufbau unserer Partei und der Mitwirkung in sozialen Bewegungen – insbesondere auf der Gewerkschaftsarbeit. Die von mir mitorganisierten „Streikkonferenzen“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung haben sich zu den größten linksgewerkschaftlichen Konferenzen der vergangenen Jahrzehnte überhaupt entwickelt. Davon können wir auch für Europa lernen.

In den letzten Jahren habe ich zahlreiche Veranstaltungen mit europäischen GewerkschafterInnen und Bewegungsaktiven organisiert und bspw. die Auseinandersetzungen um Amazon und im Pflege-Bereich eng begleitet. Ich würde gerne die Tätigkeiten zur Vernetzung von Beschäftigten und Gewerkschaften aus dem EP heraus fortsetzen und entsprechende Formate mit den Amazon-ArbeiterInnen, Krankenhaus-Beschäftigten und Ryanair-FlugbegleiterInnen auf europäischer Ebene durchführen. Gerade bei der Organisierung von grenzüberschreitender Solidarität können linke Kräfte eine wichtige Rolle im Widerstand gegen die Großkonzerne spielen.

Ich gehe auch für den Landesverband Hamburg ins Rennen. Hamburg war in den letzten Jahren eine Hochburg vieler Bewegungen:  Recht-auf-Stadt und der Kampf gegen hohe Mieten nahmen hier ihren Ausgangspunkt. Hamburg erlebte große Proteste gegen die Festung Europa und für ein Bleiberecht für Flüchtlinge, die erfolgreiche Niederringung eines großflächigen „Gefahrengebietes“ und die mutige Verteidigung des Demonstrationsrechtes gegenüber einer maßlosen polizeilichen Repression beim G20-Gipfel.  Und Hamburg ist die Stadt von Mehrheiten bei Volksbegehren gegen Olympia und für mehr Personal im Krankenhaus. Die Erfahrungen dieser Bewegungen möchte ich gerne in unsere Fraktion im EP einbringen – und meine Ressourcen dort nutzen, um bundesweit Mieten-Proteste, die Pflegekampagne, Bürgerrechtsbewegungen oder die Flüchtlings-Solidarität zu unterstützen und den antifaschistischen Austausch und die Entwicklung von Strategien gegen Rechts zu fördern.

Ich bin von ganzem Herzen Internationalist, war häufig in anderen europäischen Ländern politisch aktiv und spreche mehrere Sprachen. An den Protesten der globalisierungskritischen Bewegung habe ich von Prag über Genua bis Heiligendamm ebenso teilgenommen wie an vielen Europäischen Sozialforen. Internationale Solidarität darf aber nie an den Mauern Europas enden, sondern muss sich immer auch auf Befreiungskämpfe in aller Welt beziehen. Wichtige Themen sind mir die Solidarität mit Kurdistan und der Kampf gegen das PKK-Verbot, aber auch die Unterstützung des Aufbaus gewerkschaftlicher Gegenmacht entlang der transnationalen Produktionsketten.

Um Neoliberalismus und Rechtspopulismus schlagen zu können, muss die LINKE offensiv, auf allen Ebenen und mit allen Mitteln für die Perspektive einer Überwindung des Kapitalismus durch einen demokratischen Sozialismus eintreten. Ich bewerbe mich um einen Listenplatz für die Europa-Wahl, weil ich als Person für antikapitalistische Inhaltestehe und diese gerne sichtbar im Wahlkampf und im Europaparlament vertreten möchte.

Die Aufgabe sozialistischer Abgeordneter ist nicht, in Parlamenten und Ausschüssen unterzutauchen. Im Gegenteil: die Hauptaufgabe liegt darin, Parlament und mediale Zugänge zu nutzen, um sozialistische Alternativen in der Gesellschaft bekannter zu machen. Und sie liegt darin, Ressourcen effektiv für eine Stärkung linker Parteien, Gewerkschaften und sozialer Bewegungen zu nutzen, durch europäische Vernetzungsarbeit und insbesondere auch durch Aktivitäten vor Ort im Wahlkreis.

Hierfür bitte ich euch um euer Vertrauen und eure Unterstützung!

Lebenslauf Dr. Florian Wilde   

  • Geboren 1977 in Kiel, politisch aktiv seit 1992
  • 1998-2005 Studium der Politik- und Geschichtswissenschaft in Hamburg und Florenz
  • 2006 ver.di-organizer, Wach- und Sicherheitsgewerbe
  • 2006-2009 Promotionsstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Seit 2011 Referent gewerkschaftliche Erneuerung im Institut für Gesellschaftsanalyse der RLS
  • 2017 G20-Kampagnenreferent der Linksfraktion.Hamburg


Parteipolitische Vita

  • 2007-17 Mitglied im Sprecherrat der Historischen Kommission der LINKEN
  • 2009 Mitglied im Bundesvorstand von Die Linke.SDS
  • 2010 Geschäftsführer von Die Linke.SDS
  • 2012-14 Mitglied im Parteivorstand DIE LINKE


Publikationen
(Auswahl)

  • Florian Wilde: Revolution als Realpolitik. Ernst Meyer (1887-1930) – Biographie eines KPD-Vorsitzenden, Konstanz 2018.
  • Jeannine Geissler/Florian Wilde (Hrsg.): Erneuerung durch Streik II: Kämpfe gemeinsam führen, Berlin 2015.
  • Richard Detje/Sybille Stamm/Florian Wilde (Hrsg.): Kämpfe um Zeit. Bausteine für eine neue (arbeits-)zeitpolitische Offensive, Berlin 2014.
  • Alexander Gallas/Jörg Nowak/Florian Wilde (Hrsg.): Politische Streiks im Europa der Krise, Hamburg 2012.


Homepage
http://wildetexte.blogsport.de/(Textarchiv und Videos munterer Reden im europäischen Ausland)